Kloster Langwaden - Spiritueller Impuls April 2012
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Ausgedruckt am: 25.05.2013 13:51
Spiritueller Impuls April 2012
Das Osterlachen
Offenes lautes Lachen in der Kirche? Für manche fromme Ohren klingt das unangebracht. Die Kirche wird als ruhiger heiliger Raum durch Lachen unangemessen gestört, wendet man vielleicht ein. Dennoch war der Brauch des Osterlachens - risus paschalis (lat.: risus meint nicht nur ein freundliches Lächeln, sondern durchaus ein ´Lachen von Herz´) über Jahrhunderte fester Bestandteil österlichen Brauchtums.
Je nach eigenem Geschmack war es sowohl für Priester als auch für Laien eine Freude oder auch eine Last. Der Prediger versuchte auf mehr oder weniger gekonnte Weise das Volk zum Lachen zu bringen. Dabei wurden - wie der berühmte Wiener Hofprediger Abraham a Santa Clara berichtet - nicht nur fromme Witze auf der Kanzel gerissen, sondern durchaus eher nicht so stubenreine Andeutungen und Geschichten erzählt. Von diesem Hofprediger selbst wird erzählt, dass er es während einer Predigt durch Gesten und Mimik geschafft habe, die eine Kirchenhälfte zum Weinen und die andere zum Lachen zu bringen.
Das Osterlachen war seit dem 14. Jahrhundert übers Barock bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein eine beliebte Möglichkeit auf lustige Art auch ein wenig Kritik an der einen oder anderen Sache zu üben. Heute erleben wir Ähnliches vielleicht in manchen Predigten am Sonntag vor Aschermittwoch.
Warum aber nun in der Osterzeit? Das Osterlachen könnte man als eine Art ganzheitlicher Glaubenserfahrung bezeichnen, nach der Devise: Wer lacht, spürt Lebenslust und ist - so die Hoffnung damaliger Priester - aufnahmebereiter für die Osterbotschaft, die den Sieg des Lebens über den Tod, Befreiung und Erlösung der Menschen in Jesus Christus verheißt. Das Lachen lockert die Muskeln und stimmt das Gemüt empfänglicher. Nachrichten, die wir mit heiterer Erfahrung verbinden, nehmen wir lieber in unseren Alltag mit.
Die Auferstehung Christi, so erklärt es hie und da die Theologie, lässt sich als Ausdruck von Gottes Gelächter über den Tod verstehen. Liturgie und Lachen müssen sich keineswegs ausschließen.
Dennoch rief das Osterlachen von Anfang an auch Kritiker auf den Plan. Strenge Protestanten und Aufklärer bekämpften vermeintliche Auswüchse des frommen Spaßes. Das barocke Lebensgefühl hingegen zeigte sich in der Tendenz offen für derarige Clowneresken. Für manche Pfarrer war dieser Brauch auch ein wilkommenes Geschenk, an ihren Vorgesetzten Kritik zu üben und ihrem Ärger Luft zu machen, weshalb auch katholische Obrigkeiten hin und wieder eingeschritten sein sollen.
Der Grundgedanke, die Osterfreude offen und mit ´Körpereinsatz´zu verkünden, wäre vielleicht auch heute wieder einer Überlegung wert. Die Erlösung betrifft den ganzen Menschen, mit Leib und Seele. So sollte auch die Verkündigung des Geheimnisses der Erlösung offen und mit Freude in die Welt getragen werden. Vielleicht sähen wir dann auch wieder erlöster aus, ein Halleluja, das jemand nur mühsam hervorbringt, reißt eben selten einen anderen Menschen vom Hocker. Ein beherztes Hallel für unseren Gott ist auch eine Form frommen Lachens.
Dazu zum Abschluss eine kleine Geschichte aus dem Himmel: Der große evangelische Theologe Karl Barth kommt in den Himmel. Petrus begrüßt ihn, meint aber, zunächst müsse Barth eine Prüfung bestehen. Im Prüfungszimmer warten Gottvater, Jesus Christus und der Heilige Geist. - Stunden vergehen. Petrus, draußen, wird langsam nervös. Nach sieben Stunden springt endlich die Tür auf und Jesus stürzt heraus. Petrus fragt entsetzt, ob Barth etwa durchgefallen sei. Jesus: "Barth? Der nicht. Aber der Heilige Geist!"
Den spirtuellen Impuls für den April 2012
schrieb P. Basilius Ullmann OCist


