Kloster Langwaden - Spiritueller Impuls Mai 2012
http://www.zisterzienser-langwaden.de/geistiges-zentrum/spirituelle-impulse/347-spiritueller-impuls-mai-2012.html
Ausgedruckt am: 22.05.2013 18:38
Spiritueller Impuls Mai 2012
Alles neu macht...die Baustelle!
Es führt fast kein Weg an einer Baustelle vorbei - egal ob Sie mit dem Auto oder mit der Bahn unterwegs sind oder ob Sie Ihren eigenen Lebensweg betrachten: irgendwo gibt es immer irgendetwas zu erneuern oder zu reparieren, aufzubauen oder abzureißen. Sogar unser Klostergebäude hat sich aufgrund dringend notwendiger Sanierungsarbeiten in eine Baustelle verwandelt. Da Lärm, Schmutz und Bewegungseinschränkungen auch auf einer Klosterbaustelle nicht ausbleiben, wird auch diese Baustelle als lästig und hinderlich empfunden. Sie reißt uns aus den gewohnten Bahnen heraus.
So eigenartig es klingt: wir sollten jedoch für die vielen Baustellen eher dankbar als verärgert sein, denn sie zeigen an: hier wurde Handlungsbedarf entdeckt und hier setzen sich auch Kompetenz und Kraft durch, den Bedarf zur Tat werden zu lassen. Wer eine Baustelle sieht, sollte sich bewusst sein, dass dort nicht "nur" Mängel beseitigt werden oder Neues entsteht, sondern dass vor allem durch diese geplante Veränderung gezielt Zukunft gestaltet wird.
In diesem Sinn sollte unser Leben immer wieder Baustellen aufweisen. Es gilt, etwas umzubauen oder zu erneuern, vielleicht sogar abzureißen oder Neues aufzubauen. Wichtig ist, dass wir wissen, was gemacht werden muss und welchen Aufwand dies macht. So vergleicht Jesus gerade den Menschen, der ihm nachfolgt, mit einem klugen Baumeister, der zu planen und zu bauen weiß: "Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen" (Lukasevangelium, 14. Kapitel, Vers 29 und 30).
Es wäre jedoch nicht gut, wenn unser gesamtes Leben eine Baustelle wäre, da solch eine Dauerbaustelle einen normalen geregelten Tagesablauf verunmöglicht. Es wäre ebenso schlecht, wenn es in unserem Leben gar keine Baustelle gäbe, denn dann würden wir mit der Zeit unsere Substanz aufbrauchen. In unserem Leben sollte es immer Planungsphasen geben und hier und da eine kleinere oder größere Baustelle. Als Vorbild kann uns dazu der Kölner Dom dienen, an dem immer sichtbar an irgendeiner Ecke gebaut wird und permanent im Verborgenen geplant wird.
Wer baut, sagt "Ja" zum Leben und zur Zukunft. Wer baut, sagt letztendlich auch "Ja" zu Gott, der uns unser Leben und unsere Umgebung gegeben hat, damit wir sie im Guten und auf Zukunft hin gestalten.
Den spirituellen Impuls für den Mai 2012
schrieb Pater Bruno Robeck OCist


